Tempelbesuch in Japan, Beten im Schrein, Anleitung, Infografik

Richtig beten in Japans Tempel | Anleitung

Richtig beten in Japans Tempel | Anleitung

Anleitung zum fehlerfreien Tempel- und Schreinbesuch in Japan

Was wäre Japan ohne seine faszinierenden Tempel und Schreine? Bei einer Reise in dieses großartige Land stehen üblicherweise einige dieser Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel der goldene Schrein Kinkakuji oder der Asakusa Tempel auf dem Plan. Doch wie betet man eigentlich fehlerfrei an einem dieser Tempel und Schreine? Und welche Regeln gibt es sonst noch zu beachten? Mit dieser Anleitung meisterst Du den Tempel und Schreinbesuch in Japan.

Was ist der Unterschied zwischen Tempel und Schrein?

Zunächst mal sollten wir den Unterschied zwischen einem Tempel und einem Schrein klären. Die Verhaltensregeln sind zwar bei beiden meistens gleich, dennoch gibt es ein paar feine Unterschiede. Wie Du in meinem Beitrag zur Religion in Japan genau nachlesen kannst, gibt es in Japan zwei große Religionen, nämlich den Shintoismus und den Buddhismus.

Tempel gehören zum Buddhismus, Schreine dagegen werden dem Shintoismus zugeordnet. Insofern sind es also die heiligen Hallen zweier verschiedener Religionen. Einen Schrein erkennst Du am einfachsten an dem großen Torii-Tor, das einem sofort ins Gedächtnis kommt, wenn man an Japan denkt. Tempel besitzen zwar meistens ebenfalls ein Tor, durch dass man das Tempelgelände betritt, allerdings unterscheidet sich dieses von der Form deutlich von einem markanten Torii-Tor. Es erinnert oft an ein eigenes Gebäude mit dem typischen geschwungenen Dächern einer Pagode.

Egal ob du religiös beziehungsweise spirituell bist oder nicht, Tempel und Schreine stehen allen Besuchern offen. Auch jedem Nicht-Japaner steht es offen, seine Gebete an diesen Orten zu sprechen. Versuch es einfach, ganz unabhängig von Deinem Glauben, um Dich ein wenig mehr mit Japan vertraut zu machen.

Welche Kleidung ist für einen Tempel oder Schreinbesuch angemessen?

Keine Sorge, die Bekleidungsregeln in japanischen Tempeln und Schreinen sind im Vergleich zu manch anderen Ländern nicht allzu streng. Dennoch: Es gehört einfach zum guten Ton, sich nicht allzu freizügig oder ungepflegt in diese Orte zu begeben.

Sehr kurze Hosen oder Röcke solltest Du daher am besten nicht tragen, auch ein zu tiefer Ausschnitt ist nicht ratsam. Die Schultern zu bedecken ist ebenfalls eine gute Idee. Nimm zusätzlich Kopfbedeckungen aller Art sowie Sonnenbrillen ab.

Beginnen wir nun mit der Etikette speziell bei einem Schreinbesuch in Japan.

Der Schreinbesuch in Japan – Verhaltensregeln und Etikette

Das Torii-Tor am Eingang trennt sozusagen die menschliche von der heiligen Welt. Hier solltest Du gleich eine Kleinigkeit beachten: Verbeuge Dich kurz, und betritt das Tor nicht genau durch die Mitte, sondern eher seitlich Richtung der beiden Pfosten. Der mittlere Weg ist den Göttern vorbehalten.

Die rituelle Reinigung | Hände waschen

Bevor zu den eigentlichen Gebäuden des Schreines kommst, begegnet Dir früher oder später ein kleiner Brunnen beziehungsweise eine Waschstelle. Diese sind zur (hauptsächlich symbolischen) Reinigung, bevor Du den Göttern gegenübertrittst. Wenn Du es ganz korrekt machen willst, folgst Du dieser Anleitung:

  1. Nimm die Holzkelle in die linke Hand und reinige Deine rechte Hand.
  2. Nimm die Holzkelle in rechte Hand und reinige Deine linke Hand.
  3. Fülle mit der Kelle Wasser in deine linke Hand, führe diese zum Mund und reinige Deine Lippen.
  4. Wasche Deine Linke Hand wie oben nochmals.
  5. Reinige die Kelle mit ein wenig und lege Sie so zurück, wie Du sie vorgefunden hast.
    Beachte: Wasser dass Dich berührt hat, darf nicht zurück in das Hauptbecken des Brunnen fließen. Niemals solltest Du Geldstücke in den Brunnen werfen!
Tempelbesuch in Japan, rituelle Reinigung

Schritt für Schritt Anleitung: Richtig beten im Schrein

Nicht an wirklich jedem Schrein gibt es eine Kiste für Opfergaben und eine Glock, aber sofern vorhanden betest Du in Japan folgendermaßen korrekt an einem Schrein.

  1. Verbeuge Dich leicht vor dem Schrein.
  2. Wirf eine Münze in die Opferkasse, 5 Yen sind optimal, da diese Glück bringen sollen.
  3. Läute die Glocke entweder zweimal oder dreimal und Grüße damit den Gott des Schreins.
  4. Verbeuge Dich zwei Mal etwas tiefer als davor.
  5. Klatsche zwei Mal in die Hände, und drücke damit Deine Freude aus, den Gott des Schreins zu treffen.
  6. Bringe Deine Handflächen zusammen und trage dein Gebet im stillen vor.
  7. Verbeuge Dich noch einmal. Gut gemacht!
Infografik, Richtig beten in Japans Schreinen

Der Tempelbesuch in Japan – Verhaltensregeln und Etikette

Viele Regeln des Schreinbesuchs treffen ebenfalls auf den Tempelbesuch zu. Bevor Du das Tempelgelände betrittst, solltest Du Dich also wieder kurz verbeugen und das Tor eher Richtung einer der beiden Seiten betreten.

Die rituelle Reinigung | Räucherstäbchen und Waschstelle

Auch in den meisten Tempeln triffst Du nach dem Durchschreiten des Tores früher oder später auf eine Waschstelle, an der Du die rituelle Reinigung deiner Hände durchführst. Wenn Du sie siehst, folge dem gleichen Ablauf wie oben bei den Verhaltensregeln zum Schreinbesuch beschrieben.

Darüber hinaus findest du üblicherweise auf eine Stelle oder einen Kessel, an dem Räucherstäbchen angezündet werden. Auch der Rauch, den du später auf Dich fächeln wirst, dienst der symbolischen Reinigung bevor Du die heiligen Stätten betrittst. Hier folgst Du diesen Schritten:

  1. Wirf ein Geldstück in die Kiste davor (meist 50 oder 100 Yen)
  2. Nimm ein Räucherstäbchen und zünde es an (nicht an anderen Räucherstäbchen im Kessel!)
  3. Stecke das Räucherstäbchen in den Sand.
  4. Falls es noch eine kleine Flamme hat, lösche diese indem du mit der Hand luft darüber fächerst,
  5. Fächere nun Den Rauch in Deine Richtung.

Schritt für Schritt Anleitung: Richtig beten im Tempel

In Japans Tempel zu beten funktioniert im Grunde genau gleich wie in den Schreinen, es gibt ein paar minimal Unterschiede, der wichtigste ist aber folgender: Beim Beten in Japans Tempel klatschst Du nicht in die Hände. Ansonsten gehe wie folgt vor:

  1. Verbeuge Dich leicht vor dem Tempel.
  2. Wirf eine Münze in die Opferkasse.
  3. Läute die Glocke falls vorhanden entweder zweimal oder dreimal.
  4. Verbeuge Dich leicht.
  5. Falte Deine Hände und bete im Stillen.
  6. Verbeuge Dich noch einmal. Gut gemacht!
Infografik, Richtig beten in Japans Tempeln

Wunsch-Holztafeln, Zukunftsvorhersagen und Talismane

Nicht nur beten kann man an einem Tempel oder Schrein. Bei beiden dieser religiösen Stätten triffst Du in der Regel auf mindesten eine der folgenden drei Dinge, die Dir entweder Glück bringen oder Dir mehr über Deine Zukunft verraten.

Wunsch-Holztafeln ( Ema bzw. えま)

Neben den Hauptgebäuden des Tempels oder des Schreins wird Dir bestimmt eine Wand mit zahlreichen kleinen Holztäfelchen in den Blick fallen. Diese kannst Du an einem Stand erwerben, sie kosten in der Regel um die 500 Yen. Auf dem Täfelchen, das meist mit dem Zeichen des Schreins versehen ist, schreibst Du deine Wünsche für die Zukunft (egal in welcher Sprache). Nun kannst Du die Tafel entweder als Souvenir mitnehmen oder an die Wand hängen.

Nach einer Weile werden diese Holztäfelchen verbrannt und die Wünsche steigen so in den Himmel auf und werden von den Göttern oder Buddha erhört.

Zukunftsvorhersage mit kleinen Zetteln (Omikuji bzw. おみくじ)

An einem weiteren Stand kannst Du in Erfahrung bringen, was Dein Schicksal für Dich bereit hält. Halte Ausschau nach den Zeichen für Omikuji (おみくじ oder nur みくじ) oder nach einer zylinderartigen Box auf einem Tisch. Und so kommst Du an dein Zettel mit Deiner Zukunftsvorhersage:

Wirf eine 100 Yen Mütze in den Münzschlitz neben der Box. Nimm die Box und schüttle Sie, dann ziehst Du einen kleinen Stift heraus, auf dem eine Nummer notiert ist. Mit dieser Nummer gehst Du zu den kleinen Fächern hinter der Box. Nimm das oberste Blatt aus dem Fach mit der entsprechenden Nummer Deines Stifts. Dort steht mehr über deine Zukunft geschrieben, meist auf Japanisch, an berühmteren Schreinen auch auf Englisch.

Omikuji-Zettel, Wahrsagerei im japanischen Tempel

Wenn es neben der Box keinen Schlitz für Münzen und auch keine Fächer dahinter gibt, dann musst Du den Stift zu einem Stand nebenan bringen und dort bezahlen. Das ist von Tempel zu Schrein unterschiedlich.

Glücksbringer und Talismane (Omamori bzw. お守り)

Die Omamori sind kleine Stoffbeutelchen, die Dir als Talismane Glück bringen, indem Sie das Böse von Dir fern halten und dich vor Unheil beschützen. Im Inneren des Stoffbeutel sind kleine Zettel, auf denen ein paar Worte oder ein Spruch notiert sind, der genau dafür sorgen soll. Aber Vorsicht! Den Beutel solltest Du niemals öffnen, das würde den Talisman unbrauchbar machen.

Omamori, japanische Talismane

Für jedes Anliegen und jede Sorge gibt es ein spezielles Omamori, dass Dir beiseite steht. Die Schriftzeichen darauf zeigen an, wofür der Talisman steht, oftmals ist auf den Schildern an größeren Tempeln auch eine englische Übersetzung. Hier mal eine kleine Auswahl, bei was Dir ein Omamori helfen kann:

  • Sicheres Reisen
  • Sicherheit im Straßenverkehr
  • Einen Test bestehen
  • Liebe finden
  • Sichere Geburt
  • Erfolg bei der Arbeitssuche
  • & vieles mehr!

Die Omamori sind meiner Meinung nach auch mit eines der besten Souvenirs, zum mit nach Hause bringen. Sie kosten um die 500 bis 1000 Yen. Jetzt bist du für deinen fehlerfreien Tempel – bzw. Schreinbesuch in Japan gerüstest. Du hast gelernt wie man die rituelle Reinigung vollzieht, wie man in Japan im Tempel richtig betet und welche Wünsche und Glücksbringer es sonst nocht gibt. Na dann, ab nach Japan! Wenn Du noch mehr über die Etikette in Japan wissen willst, wie wäre es mit meinem Artikel zu der korrekten Verbeugung in Japan? Ich freue mich außerdem über Kommentare und Anregungen.

WAS DENKST WEIßT GLAUBST DU?

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