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Religion in Japan: Woran glauben die Japaner?

Religion in Japan: Woran glauben die Japaner?

Wie Shintoismus, Buddhismus und Weihnachten zusammenpassen

80 % der Japaner folgen den Bräuchen des Shintoismus. 75 % der Japaner folgen den Bräuchen des Buddhismus. Man muss nicht lange rechnen, um festzustellen, dass diese Zahlen eigentlich nicht aufgehen. In Japan aber schon, denn die Japaner lassen sich hinsichtlich der Religion schwer in eine Schublade stecken. Über Dreiviertel der Japaner pflegen Traditionen von mehr als nur einer Religion. Als wirklich „gläubig“ im klassischen Sinne bezeichnen sind aber nur sehr wenige Japaner. Was es mit der Religion in Japan auf sich hat? Finden wir es heraus.

Wer nach Japan reist, besucht selbstverständlich auch die eindrucksvollen Tempel und Schreine des Landes. Moment mal, Tempel und Schreine? Ich habe mich schon immer gefragt, ob es da einen Unterschied gibt. Und tatsächlich sind die beiden Begriffe mit den zwei größten Religionen Japans verbunden. Ein Schrein wird dem Shintoismus zugeordnet, ein Tempel dagegen dem Buddhismus. Viele Japaner besuchen beide. Überhaupt sind die Japaner in Sachen Religion mehrgleisig unterwegs. Weihnachten und seit neustem Ostern feiern sie ebenfalls gleich mit. Wenn wir einen Blick auf die Lehren des Shintoismus und Buddhismus werfen, sehen wir auch wieso.

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Quelle: Statista

Shintoismus – Der Glaube an Kami

Im Vergleich mit anderen großen Religionen weist der Shintoismus grundlegende Unterschiede auf. Zunächst hat der Shintoismus keinen bekannten „Gründervater“ und auch keine heiligen Schriften, wie zum Beispiel die Bibel oder der Koran. Außerdem gehört auch das Predigen nicht zum Shintoismus.

Der Shintoismus ist so alt wie Japan selbst und ist deshalb kaum von sozialen und kulturellen Normen und Werten unterscheidbar. Tatsächlich bezeichnen ihn manche sogar nicht einmal als klassische Religion, sondern eher als eine Ansammlung von Traditionen und Ritualen.

Grundsätzlich beschreibt der Shintoismus aber den Glaube an die Kami. Kami sind die „Götter“ des Shintoismus. Nun muss man sich diese aber weniger wie den christlichen Gott vorstellen. Kami sind eher heilige Geister, die die Form von ganz unterschiedlichen Dingen und Konzepten annehmen können, wie zum Beispiel Wind, Regen, Berge, Bäume oder das Konzept der Fruchtbarkeit. Aus diesem Grund ist der Shintoismus eng mit der Natur verbunden. Es ist außerdem nicht verwunderlich, dass die Sonnengöttin Amaterasu als wichtigste Kami des Shintoismus gilt.

Übrigens: Geishas haben nichts mit Religion und Glaube zu tun, manche glauben, dass diese mit den christlichen Nonnen zu vergleichen sind, das stimmt aber nicht.

Gut zu wissen: Nach ihrem Tod werden auch Menschen zu Kami. Deshalb ist die Verehrung der Vorfahren in Japan besonders wichtig. Es gibt zahlreiche Feste, an denen an die Geister der Vorfahren gedacht wird. Alles im Zusammenhang mit dem Tod ist allerdings wiederum dem Buddhismus überlassen, der Shintoismus beschäftigt sich mit dem Leben im Hier und Jetzt.

Meoto Iwa, heiliger Felsen, Japan, japanische Religion

Manche Steine, wie zum Beispiel Meoto Iwa, werden als Kami verehert.

Der Shintoismus geht davon aus, dass niemand perfekt ist, der Mensch aber grundsätzlich ein gutes und wohlwollendes Wesen ist. Gutes und Böses steht immer im Zusammenhang mit guten oder bösen Geistern. Deshalb geht es bei den meisten Ritualen auch darum, böse Geister fernzuhalten.

Zu den wichtigsten Bräuchen der Shintoismus Religion in Japan gehören Schreinbesuche, Reinigungszeremonien und Opfergaben.

Shinto Schreine sind die Orte, wo die Kami wohnen und wo diese gewürdigt und angebetet werden. Im Gegensatz zu den Tempeln erkennst Du einen Schrein oft (aber nicht immer) an dem großen Torii-Tor am Eingang. Shinto-Priester leiten die Rituale des Shintoismus, dabei können sowohl Männer als auch Frauen zum Priester werden und Ihnen ist es erlaubt zu heiraten und Kinder zu kriegen. Ich selbst bin zwar nicht gläubig, aber mit dieser Religion in Japan kann ich mich definitiv anfreunden.

Wichtige Schreine des Shintoismus

  • Itsukushima Schrein in Miyajima Island, nahe Hiroshima
    Ein bekanntes Fotomotiv ist das „Floating Torii Gate“. Bei Ebbe kann man das rote Tor von Nahem begutachten.
  • Meiji Jingu Schrein in Tokyo
    Dieser Schrein wurde 1920 fertig gestellt und ist dem Kaiser Meji und seiner Frau Shoken gewidmet.
  • Fushimi Inari Schrein in Kyoto
    Bekannt für seine eintausend Torii Tore. Diese wurden von diversen Unternehmen gespendet, da die Kami des Fushimi Inari als Götter des Handels bekannt sind.
Rote Torii-Tore, Fushimi Inari, Kyoto

Wichtige Feste des SHintoismus

  • Dōsojin Matsuri: Neujahrsfeierlichkeiten um den 15. Oktober, an denen die Dekoration der Schreine, gemeinsam mit Glücksbringern und Zettel mit „Fürbitten“ verbrannt werden und so zu den Göttern aufsteigen.
  • Hatsumode: Der erste Schreinbesuch im neuen Jahr
  • Kekkonshiki: Shintoistische Hochzeitsfeier
  • Seijin-no-hi: Der 2. Montag im Januar, Junge Menschen feiern Ihre Volljährigkeit (20 Jahre alt) bei einem Schreinbesuch
  • Nagoshi no harae: Reinigungsritual zum 30. Juni

Hinweis: Selbstverständlich gibt es noch wesentlich mehr wichtige Schreine und Feste, das ist sicherlich nur eine kleine Auswahl.

Infobox: Wie bete ich richtig an einem japanischen Schrein?
1. Vor dem Schrein findest du eine Wasserstelle zur Reinigung. Schöpfe mit der Kelle Wasser, reinige deine linke Hand, dann deine rechte Hand. Dann nimm Wasser in die linke Hand und reinige deinen Mund. Reinige erneut deine linke Hand.
2. Falls vorhanden: Leute die Glocke mit einem Seil zwei oder drei Mal, um die Aufmerksamkeit des Gottes zu erlangen und zu grüßen.
3. Wirf eine Münze in die Opferkasse (5 Yen bringen Glück)
4. Verbeuge dich zweimal, um deinen Respekt auszudrücken.
5. Klatsche zweimal in die Hände, um deine Freude auszudrücken, den Gott zu treffen.
6. Bringe deine Handflächen zusammen und bete.
7. Verbeuge dich ein letztes Mal. Gut gemacht!

Buddhismus – Die Lehren des Buddha

Der Buddhismus kommt ursprünglich aus Indien, wo er im 6 Jahrhundert vor Christus entstand. Er besteht im Grunde aus den Lehren Buddhas (der tatsächlich Gautama Siddharta hieß.

Man unterscheidet mehrere Formen des Buddhismus, die sich über die Laufe der Zeit entwickelt haben, in Japan ist aber vor allem der Mahayana Buddhismus verbreitet. Seinen Weg fand dieser etwa im sechsten Jahrhundert über China und Korea nach Japan. Dort wurde er von der Oberschicht als neue Staatsreligion begrüßt, verbreitete sich aber nur langsam unter der Bevölkerung, die dem Shintoismus zugewandt war. Insofern gab es anfangs einige Konflikte zwischen Buddhismus und Shintoismus, schon bald existierten aber beide Religionen nebeneinander.

Im Buddhismus gibt es keine Verehrung einer Göttlichkeit. Deswegen bezeichnen manche Menschen den Buddhismus eher als Lebensphilosophie und nicht als Religion. In Japan ist der Buddhismus weit verbreitet. Nach dem Glauben des Buddhismus ist es essenziell im Leben Gutes zu tun und sich von seiner Gier nach Besitz loszulösen. Wer seinen Geist darauf ausrichtet und entsprechend Taten folgen lässt, erreicht womöglich die Erleuchtung oder das „Nirvana“, ein Zustand in dem es weder Gier noch Leid gibt. Wer das Nirvana in seinem Leben nicht erreicht, dessen Seele wird wiedergeboren.

Gut zu wissen: Glaube und Staat sind in Japan voneinander losgelöst. Es gibt keinen Religionsunterricht in Schulen und es gibt auch keine religiösen Symbole, die im Klassenzimmer an der Wand hängen (wie bei uns mancherorts immer noch das Kreuz). Religion in Japan ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit wenig diskutiert wird.

Wichtige buddhistische Tempel in Japan

  • Kiyomizu-dera in Kyoto
    Der meistbesuchte Tempel in Kyoto huldigt der Gottheit der Gnade Kannon.
  • Kinkakuji in Kyoto
    Mit Blattgold überzogen und in einem paradiesischen Garten gelegen.
  • Sensoji in Tokyo
    Zählt zu den schönsten und auch ältesten Tempel in Tokyo. Die rote, fünfstufige Pagode ist sicherlich eines der meist fotografierten Sehenswürdigkeiten Tokyos.
Sensoji Tempel, Tokyo

Wichtige buddhistische Feste in Japan

  • Hanamatsuri: Am 8. April feiert man in Japan den Geburtstag Buddhas mit einem Blumenfest.
  • Obon: Vom 13. bis 15. Juli oder Augsut (je nach Region) finden die Obon Feierlichkeiten statt. Dabei ehren die Japaner die Geister der Verstorbenen, die in diesem Zeitraum auf die Erde zurückkehren.
  • Rohatsu: Am 8. Dezember wird die Erleuchtung Buddhas gefeiert.

Hinweis: Selbstverständlich gibt es noch wesentlich mehr wichtige buddhistische Tempel und Feste, das ist sicherlich nur eine kleine Auswahl.

Religion in Japan: Wie Shintoismus, Buddhismus und Atheismus zusammenpassen

Jetzt wissen wir, welche großen Religionen in Japan verbreitet sind. Der Shintoismus und der Buddhismus existieren friedlich nebeneinander. Der Shintoismus beschäftigt sich nur mit dem Leben im Hier und Jetzt, der Buddhismus auch mit dem „Leben danach“. Ein Japaner kann also eine shintoistische Hochzeit feiern, aber am Ende seines Lebens auf einem buddhistischen Friedhof begraben werden.

Vielen Japaner folgen dabei eher den traditionellen Ritualen und Festen, die sie eben schon immer feiern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten sich deshalb aber noch lange nicht als religiös bezeichnen. Sie sehen die Lehren des Shintoismus und Buddhismus mehr als Lebenseinstellung oder aber als moralischen Kodex. Feste und Rituale werden als Gelegenheit genommen, um den Vorfahren zu gedenken, um mit anderen Menschen zusammen zu kommen, um dankbar zu sein und um Glück für die Zukunft zu erbitten.

Warum sollte man also nicht auch die Feste anderer Religionen in Ehren halten? Weihnachten und Ostern feiern – wieso nicht? Insgesamt würde ich die Japaner im Durchschnitt nicht als religiös bezeichnen, zumindest nicht im klassischen Sinne. Der Glaube an Kami, an Glück und Unglück ist weit verbreitet, aber ich denke das Wort spirituell trifft es hier wesentlich besser. Insofern bringt Japan anderen Religionen eine große Offenheit entgegen. Jeder Glauben wird akzeptiert, aber niemand danach kategorisiert. Deshalb finde ich diese Einstellung zum Thema Religion in Japan bemerkenswert angenehm.

WAS DENKST WEIßT GLAUBST DU?

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