Kawaii, Niedliche Gesicher und Smileys

Was bedeutet kawaii?

Was bedeutet kawaii?

Mehr als nur Hello Kitty

In Japan scheint alles eine Spur niedlicher zu sein – oder kawaii, wie man es im Land der aufgehenden Sonne nennt.  An jeder Ecke steht ein Maskottchen mit großen Kulleraugen, auf das Bento werden drollige Gesichter gezeichnet und selbst die Flugzeuge präsentieren sich teilweise in pinker Hello Kitty Aufmachung.

Aber was bedeutet kawaii überhaupt genau und warum ist der Niedlichkeits-Kult in Japan so populär?

Was heißt kawaii auf Deutsch?

Kawaii heißt auf Deutsch so viel wie süß, niedlich oder auch liebenswürdig. Mit dem Wort kawaii beschreibt man also sowohl Lebewesen als auch Dinge, die besonders niedlich sind.

Gut zu wissen: Das Wort blickt auf eine lange Geschichte zurück, auch wenn sich der Sinn über die Jahrhunderte ein wenig geändert hat. In der Heian Periode (794-1185) fing alles mit dem Ausdruck kao hayushi 顔映しan. Dieser bezeichnet ein ein errötendes Gesicht, zum Beispiel wenn jemandem etwas peinlich ist. Aus Kaohayushi ging dann das Wort kawayushi かわゆし hervor, welches für eine Vielzahl an Eigenschaften steht, die in Verbindung mit dem heutigen kawaii stehen: klein, peinlich, verletzbar, süß, liebenswert. Schließlich verkürzte sich das Wort auf kawaii. Erst mit der Erfindung von Hello Kitty begann der Siegeszug des kawaii Kults in Japan so richtig.

Hello Kitty Store, Japan

Das steckt hinter Kawaii

Der Begriff ist heute extrem vielschichtig und steht für ein ganzes kulturelles Phänomen, das vor allem innerhalb der Popkultur große Wellen schlägt. „Niedlich sein“ liegt in Japan voll im Trend. Ein Mensch kann kawaii aussehen oder sich kawaii verhalten. Genauso kann aber auch ein Tier, ein Kleid, ein Schlüsselanhänger oder ein kunstvoll verziertes Essen kawaii sein. Viele Figuren in Animes oder Mangas fallen ebenfalls in diese Kategorie. Mit dem kawaii sein geht in der Regel auch das „kindlich sein“ einher, wobei das nicht zwingend der Fall sein muss.

Wenn Du auf einer Japanreise durch eine der größeren Städte spazierst, könnte Dir das Phänomen in vielen Formen begegnen, zum Beispiel in folgenden Bereichen.

  • Mode: Da Japaner im Durchschnitt eher ungern aus der Reihe fallen, ist die Mainstream Mode eher von Einheitlichkeit und gedeckten Farben gekennzeichnet. In trendbewussten Modevierteln, wo vor allem die jüngere Bevölkerung aktiv ist, ist der Kawaii Trend aber deutlich zu sehen: Von niedlichen Röcken und Blusen bis hin zu Accessoires und Anhängern mit süßen Figuren und Tiergesichtern. Hinzu kommen natürlich Schlüsselanhänger oder kleine Plüschfiguren am Rucksack, die man in Japan definitiv deutlich öfter sieht als bei uns.
  • Essen: Auf das Omelett wird mit Ketchup ein Emoji gezeichnet, die Wiener Würstchen werden in kleine Oktopusse verwandelt und auf das Eis malt man auch gerne mal mit Schokosoße ein drolliges Tier.
Kawaii Eiscreme, Harajuku, Japan
  • Hinweistafeln: Anstatt einem einfachen „Rauchen verboten“ Schild finden sich auch hier oft Schilder, die mithilfe von niedlichen Figuren auf einen Verbot oder geltende Regeln hinweisen.
  • Maskottchen: In Japan gibt es für fast alles ein Maskottchen und diese sind in der Regel auf extra niedlich getrimmt. Jede noch so kleine Stadt und zahlreiche Unternehmen haben eins, aber dort hört der Trend noch lange nicht auf. Der Takamatsu Flughafen hat zum Beispiel ein Maskottchen in Form einer niedlichen Landebahn. Oder kennst Du schon Chomu-chan? Dahinter verbirgt sich ein Maskottchen in Form eines Kondoms mit Gesicht, das für sicheren Geschlechtsverkehr steht. Genauso interessant ist das depressive Eigelb-Maskottchen Gudetama.
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Die Kawaii Kultur ist in Japan so groß, dass es wiederum zahlreiche Unterkategorien gibt, bei denen man schnell den Überblick verliert. Zum Beispiel:

  • Lolita Kawaii: Zeichnet sich durch große Kleider im Stil des 19. Jahrhundert aus
  • Decora: Mit vielen Accesoires ausgestattet
  • Guro: Süß aber mit einem grotesken Detail
  • Kimo: Suß aber unheimlich
  • Busu: unattraktiv aber tortzdem niedlich
  • Ero: Süß und Sexy

Warum ist in Japan alles so kawaii?

Auch wenn der Kawaii Trend auch international immer mehr an Beliebtheit gewinnt, an das Außmaß in Japan kommt man Übersees noch lange nicht heran. Aber warum ist der Niedlichkeitsfaktor gerade in Japan so beliebt?

Die meiner Meinung nach plausibelste Antwort liegt im Harmoniebedürfnis der japanischen Gesellschaft. Als kollektive Gesellschaft ist es in Japan sehr wichtig, das Wohl der Gruppe in den Vordergrund zu stellen. Die Meinung und Gefühle anderer zu respektieren ist extrem wichtig, wer sich nicht entsprechend verhält, könnte sozial gesehen sein Gesicht verlieren.

Was damit einhergeht, ist die Vermeidung von Konflikten. Man nehme das Beispiel von den Hinweistafeln und Verbotsschildern von oben. Überbringt man eine Nachricht mit einem niedlichen Maskottchen statt harsch formulierten Verboten, läuft man weniger Gefahr andere Personen zu kränken. Und egal in welchen Lebensbereich: Wer kawaii aussiieht oder sich kawaii verhält, wirkt schlichtweg harmonischer.

Und nicht nur das: Eine japanische Studie fand sogar heraus, dass das Anschauen von niedlichen Katzen- und Hundebabys die Arbeitsmoral verbessern kann. Kurios!

Oktopuss Laterne, Osaka, Dotonbori, Kawaii

Kawaii zeichnen

Wie bereits erwähnt, ist das Phänomen heutzutage auch besonders in der Popkultur stark vertreten. Motive, Menschen und Tiere kawaii zu zeichnen ist also sehr beliebt. Bilder kawaii zu malen ist an sich übrigens relativ leicht. Dazu schauen wir uns kurz an, welche Faktoren überhaupt dazu beitragen, dass wir etwas als süß und liebenswert einschätzen. Kurz gesagt ist es wissenschaftlich erforscht, dass etwas besonders süß wirkt, wenn es uns kindlich erscheint oder an die Eigenschaften eines Babys erinnert. Dazu gehören:

  • Rundliche, weiche Formen
  • Großer Köpfe im Verhältnis zur Körpergröße
  • Entsprechend: Kleinere Körper, kürzere Gliedmaßen
  • Große Augen im Verhältnis zum Körper (und zwar an der Vorderseite des Kopfs, nicht etwa an der Seite. So wirkt zum Beispiel ein Panda niedlicher als ein Pferd)

Wer also ein Lebewesen ganz leicht kawaii zeichnen möchte, sollte ihm diese Eigenschaften verpassen, so wie zum Beispiel diese Zeichnungen einer Katze es tun.

Kawaii Zeichnen lernen, Niedliche Katzen Bilder

Kawaii Emojis

Um ein bisschen kawaii in deinen Alltag zu integrieren musst Du aber nicht unbedingt zeichnen. Längst hat der Niedlichkeits-Kult die sozialen Medien erobert und selbst das einfache Verschicken von Whatsapp-Nachrichten wird mit diesem Kawaii Emojis eine Spur süßer. Einfach kopieren und einfügen! In Japan nutzt man übrigens statt WhatsApp die LINE-App, die deutlich mehr einzigartige, niedliche Emojis hat. LINE ist insgesamt eine nützliche App für deine erste Japan Reise, um mit Japanern in Kontakt zu bleiben, die du dort kennen lernst.

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